Newsletter Januarius 2759 a.u.c.

   

- neues Jahr neus Glück ?

Kalendersysteme und Religion

- Eine Heidenarbeit
   
           

 

Der liebe Gott und die Kalendersysteme

 

Hey Oida, des mit dem Kalender, was soll denn des ? Da kommt das höchstwissenschaftliche Gremium dahergestampft in seinem vollem Gewicht und will uns erzählen, wir hätten so ne seltsame geistige Inversionslage. Atomuhren und Millisekunden, schwingende Quarze und Lichtjahre werden gezählt und verglichen. Der Augenblick - eigentlich eine Sache des Gefühls - wird zerrissen und digitalisiert.

Kollege, des is bullshit vom Feinsten. Eine höchstverschrobene Sicht der Dinge zum einen, ein massiver Beschiß auf der anderen Seite. Ein Konstrukt um die Massen in Sicherheit zu wiegen. Schon im Angesicht des Münchner Verkehrsverbundes verkommt die angewandte Matrix zum Scherz. Zeit als Dimension steht stets in Relation !!! So schaut des aus. Zeit ist in seiner Art nicht einheitlich und schon gar kein Kontinuum.

Was soll da heißen 2006 ? Gute zwei Jahrtausende nachdem Herr Jesus dem Muttermund entwichen, versuchen wir uns immer noch im Meer der Vergänglichkeit danach zu orientieren. In China befinden wir uns im 78. Zyklus (1984-2043), 2. Teilzyklus 1996 bis 2007, des chinesischen Kalenders nach dem 60-Jahre-Zyklus, der sich aus den zehn Himmelsstämmen und zwölf Erdzweigen ergibt. Seit 29. Januar 2006 bis 17. Februar 2007 haben wir das Jahr des Feuer-Hundes, dann kommt das Feuer-Schwein. Viel Spaß.

Nach dem römischen Kalender haben wir das Jahr 2753 a.u.c. (ad urbe conditia), seit Gründung der Stadt Rom. Der erste Januar wäre die kalaenden des januarius 2753. Vermutlich übernahmen die Römer den griechischen Mondkalender. Das Jahr hatte 10 Monate (Martius (31 Tage), Aprilis (30 Tage), Maius (31 Tage), Junius (30 Tage), Quintilis (31 Tage), Sextilis (30 Tage), September (30 Tage), October (31 Tage), November (30 Tage) und December (30 Tage)) - ergibt 304 Tage, die restlichen 61 wurden stillschweigend ergänzt. Doch schon 713vChr wurde vom römischen König Numa Pompilius das solare Jahr eingeführt, das allerdings alle vier Jahre vier Tage zuviel ergab. 153vChr wurde der 1.Januar zum Jahresbeginn, statt bisher der 1.März. Julius Cäsar - nach ihm wurde der Juli benannt - führte 45vChr schließlich den julianischen Kalender mit 365 Tagen ein. Durch die Schaltjahrregelung war das julianische Jahr immer noch 11 Minuten zu lang, was circa alle 130 Jahre einen Tag ergibt. So sah sich Papst Gregor gezwungen im Jahr 1582 10 Tage zu überspringen und die Schaltjahrregelung zu verfeinern. Doch warum sollte er sich gezwungen sehen ? Ostern ! Auf dem Konzil in Nicäa im Jahr 325 wurde beschlossen, daß Ostern immer auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Tagundnachtgleiche (damals dem 21 März) fällt. 1582 war dies schon der 11.März. Neben einen leichten Veränderung der Schaltregelung wurde schlichtwegs der 5.- 14.Okotber 1582 gestrichen. Trotzdem stimmts immer noch nicht ganz und so pendelt die Tagundnachtgleiche derzeit zwischen dem 19. und dem 21.März.

Warum aufgrund der heutigen Schaltjahrregelung der 13. des Monats öfter auf einen Freitag fällt als auf einen anderen Wochentag ? Siehe Wikipedia.de ! Daß Freitag der 13. nichts Positives bringt, hat soviel mit dem Kampf gegen den Terrorismus zu tun wie Kalendersysteme mit den herrschenden Religionen. Nämlich einiges ... Do not trust your watch !

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Eine Heidenarbeit ...

... ist das.

Die mentale Verfassung des Menschengeschlechts nach zwei Jahrtausenden der Missionierung durch monotheistisches Gedankengut hat seinen Beitrag geleistet zur Standardisierung, zur Gleichmacherei und zur Hörigkeit. Ein Wiederaufleben der Spiritualität in der postmodernen Wirre/Freiheit, wie auch der Gedanke der Wiederbelebung moralischer Werte durch eine moderne christliche Kirche macht deutlich wie sehr sich das Brandeisen der Kinderficker ins Fleisch gefressen hat. Wer erstmal 2000 Jahre auf dem Fahrersitz gesessen hat, muß sich nicht mehr täglich erklären, auf welcher Grundlage seine Herrschaft beruht. Aus welcher Quelle nährt sich diese Arroganz ?

Durch Kaiser Konstantin wird das christentum auf dem Konzil von Nicäa 325 zur staatsreligion. Als einziger Nebenbuhler wird hier der Arianismus zu Grabe getragen, der sich allerdings einzig in der Auslegung der Trinität unterscheidet. Weil das aber dem Christengesindel noch nicht genug ist, wird einige Zeit später das große Projekt der Konstantinischen Schenkung eingeführt. Hiernach wurde das heilige römische Reich nach Kontantinopel verlegt, um der christlichen Kirche Platz zu machen und ihr gleichzeitig die irdische Allmacht übertragen. Daß es sich um eine Fälschung handelt, wurde erst vor einigen Jahrhunderten bekannt. Trotzdem bleibt der Machtanspruch unberührt. Eine kurze Hoffnung für das Heidentum brachte der Konstantin nachfolgende Kaiser Flavius Claudius Julianus (Julian Apostata=der Abtrünnige). Seine Rücknahme der christlichen Privilegien, sowie der Versuch der Wiederbelebung heidnischen Glaubens, war nur von kurzer Dauer. Für den Atheisten war allerdings auch hier nichts dabei.

Also, ihr Handwerker des Geistes, macht euch bereit. Laßt euch nicht einlullen vom Ockhamschen Rasiermesser (es besagt, dass von mehreren Theorien, die den gleichen Sachverhalt erklären, die einfachste die wahrscheinlichste ist), sondern schwingt es wie der Tod seine Sense. Tatsächlich erscheint die Minimal-Erklärung „Gott war's“ auf den ersten Blick viel einfacher als die Evolutionstheorie. Aber damit wird die Komplexität nur verlagert, von komplizierten, aber wohldefinierten, nachvollziehbaren und falsifizierbaren Modellen auf einen uneinheitlichen, undefinierten und umstrittenen Gottesbegriff. Auch bietet die triviale Variante „Gott war's“ keinen Erkenntnisgewinn, zeigt keine kausalen Wirkungsketten auf und erlaubt keine falsifizierbaren Aussagen. Deswegen beziehen neuere kreationistische Modelle wie Intelligent Design durchaus Elemente aus der Evolutionstheorie ein. Also bietet gerade die Kreationismus-Debatte ein gutes Beispiel für Ockhams Rasiermesser in der Variante, dass die beste Erklärung die ist, die für die Gesamtheit aller betrachteten Daten die einfachste zusammenhängende Erklärung bietet. Dabei ist zu beachten, dass dieses Sparsamkeitsprinzip keine Aussage über die Gültigkeit von Erklärungsmodellen macht, sondern nur eine Heuristik bietet, wie wirksame Erklärungen gefunden werden können.

In diesem Sinne und im Geiste der GmF (größtmöglichen Freiheit des Einzelnen) bauen wir die Mauer wieder auf und nageln die Sandalenrevolutionäre erneut ans Kreuz. Der hartelinie-Newsletter freut sich in diesem Zusammenhang ganz besonders auf die Gladiatoren aus der bayrisch-monotheistischen Ecke der hartenlinie. Burschen laufts euch warm, unsere dicken Eier läuten den Herbst des Glaubens bereits ein.

 
 


 

wer mit wem ? they rule !

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